Dankbarkeit ist eine Entscheidung
Neulich nahm ich an einem Webinar teil. Die Agenda versprach einen motivierenden Chancenblick samt vielerlei Inspirationen. Die Realität lieferte Kommunikation im Konjunktiv. Es war ein Austausch darüber, was man denn alles täte, wenn es denn derzeit nicht unmöglich wäre. Ein Teil von mir stimmte dem zu: Die Umstände derzeit sind unstrittig kompliziert, verboten, ansteckend, im Homeoffice, on-hold… und viele Menschen sind in diesen Zeiten arg vom Schicksal gebeutelt, keine Frage. Auch mir fehlt Vieles: Freiheit, Selbstbestimmung, Freunde, Kontakt, Emotion, Kultur, ein guter Espresso und auch Umsatz – trotzdem fühlte ich mich reich, glücklich und dankbar. Dankbar?

Die Zielgruppe „Generation Y“ umfasst junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren. Attribute, die dieser Generation zugeschrieben werden, sind eine hohe Teamorientierung, Optimisimus, eine enge Bindung zu den Eltern, Weltoffenheit und Multitasking-Fähigkeiten. In Studien wird sie weiterhin als verwöhnt und spaßorientiert beschrieben. Sie strebt nach individueller Verwirklichung und beruflichem Weiterkommen und hat gleichzeitig den Wunsch, das Leben zu genießen. Das „Y“ steht auch für das Englische „why“ und beschreibt damit die hinterfragende, bestehende Strukturen anzweifelnde Metalität dieser Generation. Geprägt von Globalisierung, Digitalisierung und Vernetzung gehören permanente Kommunikation, insbesondere über Smartphones und in sozialen Netzwerken, sowie weltweite Mobilität heute zum Selbstverständnis dieser Generation und wirken sich auf alle Lebensbereiche aus.
Neulich war ich bei einem Künstlerpaar zum Abendessen eingeladen. Die geräumige Wohnung war kreativ und unkonventionell eingerichtet, das Mobiliar wirkte bewusst und mit Bedacht konzipiert. Alles in dieser Wohnung war weit entfernt von der häufig anzutreffenden Beliebigkeit in gängigen Möbelhäusern. Das galt auch für die Küche. Gerne wurde mir erklärt, dass hier handgemachte Fliesen aus Marokko verarbeitet seien. Die Küche wirkte reduziert und benutzt. Es gab keine Hängeschränke und Rollschubladen. Was an Töpfen, Pfannen und Utensilien benötigt wurde, war weitgehend sichtbar. Daneben thronte eine auffallend große und glänzende Espressomaschine italienischen Ursprungs, die nicht ein Vollautomat sondern der Hausherr bediente. Die Ausstattung war hochwertig, ästhetisch und nach eigenen Maßstäben geordnet. Alles war da, nichts war perfekt.
„Welches Schweinderl hätten Sie denn gerne“ ist das häufigste Überbreibsel einer heiteren Ratesendung aus den 1970er Jahren – die Erfahrenen unter Ihnen werden sich erinnern! „Was bin ich“ , galt es damals heraufzufinden, und die Sendung ist aus heutiger Sicht mit das Verstaubteste, was das deutsche Fersehen je hervorgebracht hat. Trotzdem ist die Frage „Was bin ich“ für Unternehmen heute mehr denn je relevant, jedenfalls in einem leicht abgewandelten Kontext. Harvard-Star Michael Porter hat die Frage in den 1980er Jahren aufgegriffen und in seinen bekannten generischen Strategien beantwortet:
Derzeit stehe ich morgens leicht auf. Ich freue mich auf die Sonne, die Frühlingswärme und den ersten Espresso des Tages. Das japanische Wort „Ikigai“ beschreibt, salopp ausgedrückt, etwas zu haben, wofür es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen. Den Beruf natürlich, Gemeinschaft mit dem Partner und den Kindern, das Streben nach Erfolg oder ein soziales Anliegen – Ikigai ist individuell und ändert sich in unterschiedlichen Lebensphasen. Die Frage nach dem „wofür es sich zu Leben lohnt“ ist essentiell, mir ist sie aber auch oft zu groß. Gut gefällt mir eine Kolumne aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ mit dem Titel „Was mein Leben reicher macht“. Hier erzählen Leser von den kleinen Freuden und schönen Alltagserlebnissen, die ihr Leben für sie bereit hält: Ein Spaziergang im Regen, ein zu lautes Lachen im Café, ein gutes Gespräch mit Freunden oder ein Flirt mit der Blumenverkäuferin. Wie schön, wenn man diese „kleinen“ Dinge überhaupt wahrnimmt.
Haben Sie noch Hoffnung oder haben Sie schon Ziele? Jedes Jahr an Sylvester beschließen wir, dass im kommenden Jahr „alles neu und besser“ wird. Leider ist die bloße Hoffnung keine Strategie. Wenn Sie erfolgreich Ihre Ziele erreichen möchten, dann müssen Sie sich zunächst welche setzen. Statistisch liegen Ihre Chancen, dass Sie ein Neujahrs-Ziel auch tatsächlich umsetzen und erreichen, bei gerade einmal 4%.